Die Selbstständigkeit bringt viele Risiken mit sich. Hier fasse ich meine Learnings aus 14 Jahren Festanstellung und über 3 Jahren Selbstständigkeit zusammen.

Risiko 1: das unsichere Einkommen

Ich würde mich als Sicherheitstyp bezeichnen. Mir ist es wichtig zu wissen, dass ich die Miete pünktlich zahlen und mehr als nur trockene Nudeln essen kann. Auch meiner Familie gegenüber. Interessanterweise ist in mir verankert, dass ich im Zweifel alle Kosten aus dem Haushalt tragen müsste, wenn es sein müsste. (Woher das kommt, ist vermutlich eine andere Geschichte…).

Eine Festanstellung ist binär. Das Einkommen ist 1 oder 0. Dazwischen gibt es nichts. Fällt der Arbeitgeber weg, sind 100% des Einkommens weg (mal von ALG und sonstigen Hilfen abgesehen). Bin ich selbstständig und habe 10 Kunden, fällt bei Verlust eines Kundens nur 10% des Einkommens weg (eine Beispielrechnung).

Die Wahrheit ist, dass es bequem ist zu wissen, dass – egal wie der Monat war – zum Monatsende ein bestimmter Betrag aufs Konto kommt. Allerdings wollen wir hier nichts beschönigen, denn als Selbstständiger weiß man in der Tat nicht auf den Euro genau, wie viel man verdienen wird. Zudem kann es immer besondere Situationen geben, wo das Einkommen plötzlich wegfällt. Stichpunkt Corona.

Risiko 2: die finanzielle Investition

Auch bei einer dienstleistungsbasierten Tätigkeit, die keine großen Investitionen zu Beginn erfordert, braucht man ein finanzielles Polster. Denn der Sprung von 1 Arbeitgeber zu 10 Kunden geht zwangsweise über 0 Arbeitgeber und 0 Kunden – zumindest dachte ich das.

Das muss aber nicht so sein. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, in die Selbstständigkeit zu starten, ohne eine große finanzielle Investition. Die einfachste Methode ist den Festangestellten-Job zum Beispiel progressiv zu reduzieren. Oder man nutzt den Gründungszuschuss zur Überbrückung. Oder man nutzt die Gelegenheit, wenn der Betrieb in dem man arbeitet, Abfindungen bei betriebsbedingter Kündigungen anbietet. 

Da ich persönlich aber nie der Eichhörnchen-Typ war, der für schlechte Zeiten bunkert, musste ich auf eine gute Fügung des Universums warten, um mich in die Selbstständigkeit zu trauen. Eine Mischung aus gutem Absprung aus der letzten Anstellung und dem Gründungszuschuss, habe ich stressfrei und (aus meiner Perspektive) risikoarm die Selbstständigkeit gestartet.

Risiko 3: die eigene Verantwortung

Das ist ein Punkt, den man sich sicherlich nicht so leicht eingesteht. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass selbstständig zu sein auch heißt, Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst. Für seine Leistung. 

Dem eigenen Tun steht unmittelbar Geld entgegen. Ok, nicht immer kommt unmittelbar Geld von dem Tun, und das ist auch ein wichtiger Punkt. Aber ganz sicher ist: es kommt definitiv kein Geld von nichts Tun. Eben nicht wie in einer Anstellung in der auch Geld kommt, wenn man mal ein Monat nichts tut.

Risiko 4: die Produktidee – top oder flop

Ich konnte mir früher kaum vorstellen, auch mal in der Position zu sein, ein Unternehmen mit einem eigenen Produkt zu starten. Womit auch überhaupt. Wenn man selbstständig ist, muss man das, was man produziert auch verkaufen. Man muss so überzeugt von seinem Produkt sein, dass man glaubt, es würde sich so gut verkaufen, dass man davon leben kann. Ich hatte keine solche Produktidee.

Und eine Dienstleistung zu verkaufen? Das heißt ja MICH SELBST zu verkaufen. Oh Gott! Mich auf dieses Niveau herabzulassen, mich anzubiedern um Kunden zu finden, würde ich nie können.

Und das ist sicherlich eine der größten Hürden für Dienstleister/innen (Betonung auf -innen): Stichwort Imposter-Syndrom. In die Überzeugung zu kommen, dass man außerordentlich gut in dem ist, was man tut. Das war sicherlich meine größte Arbeit an mir selbst im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit.

Risiko 5: der Mangel an Wissen und Kompetenz

Als Selbstständiger oder Unternehmer muss man außerdem sehr viele Dinge wissen und können. Man muss sehr viel machen, bevor man etwas verkauft. Und ich sagte mir immer, dass ich das ja nicht alles kann. 

Was ich zum Beispiel nicht kann:

  • Buchhaltung
  • eine Website programmieren
  • verkaufen

Spoiler! Ich habe heute:

  • eine Finanzbuchhalterin 
  • eine selbst gemachte Website 
  • Kunden, die meine Dienstleistung kaufen

Und in diesen wenigen Punkten stecken drei Riesen Learnings: 

  1. Wenn man Dinge nicht kann, kann man sie abgeben (Stichwort Finanzbuchhaltung oder Mitarbeiter – hey! Mein Thema! 😀 – Du kennst mich noch nicht? Ich berate und coache Selbstständige und Unternehmer beim Teamaufbau und bei der Teamführung).
  2. …oder lernen (Stichwort hier: WordPress). Und oft ist man sich seinen Kompetenzen gar nicht so bewusst. Und je mehr man lernt, desto einfacher fällt es einem immer weiter neues zu lernen.
  3. Manche Dinge muss man einfach aus einer anderen Perspektive betrachten. Ich kann nicht verkaufen. Also verkaufe ich nicht. Stattdessen versuche ich herauszufinden, ob das was ich kann, das Problem von dem Menschen oder Unternehmen löst, was mir gegenübersteht. Das ist heute meine Definition von Verkaufen. 

Ob man letztendlich den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, hängt nicht nur von diesen 5 Faktoren ab, sondern auch und vor allem von einem selbst. Ich hätte mir das bis 2016 nicht vorstellen können und blühe seit 2017 voll darin auf. Abschließend möchte ich sagen: Ich kenne keinen Selbstständigen, der sich getraut hat und es bereut hat, sich selbstständig gemacht zu haben. Auch diejenigen nicht, die es nicht geblieben sind.

Und wie ist es bei dir? Welche Risiken haben deinen Sprung in die Selbstständigkeit geprägt? Schreib es mir gerne in den Kommentaren!

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