Der Stereotyp des fehlerfreien, allwissenden und unfehlbaren Managers hat lange, sehr lange unser Bild von Führung geprägt. Zumindest meins. Vor Jahren habe ich mich sogar dabei ertappt, mich schwach und nicht für Führungspositionen geeignet zu fühlen, weil ich acht Stunden Schlaf pro Tag brauche und nicht um 5 Uhr morgens aufstehen kann. Nehmen wir uns also das Thema vor, was es mit den Fehlern auf sich hat.

 

Errare humanum est. Irren ist menschlich.

Diese lateinische Redewendung sagt schon alles aus. Fehler zu machen gehört zum Menschsein dazu. Ein allzu beliebtes Beispiel ist der Lernprozess von Kindern. Ein Kind was laufen lernt, erwartet erstens nicht, dass es beim ersten Mal funktioniert. Und zweitens sagt es sich auch nicht nach dem fünften Fehlversuch: “So ein Mist, das geht nicht. Ich gebe auf. Dann lerne ich halt nicht laufen.”

Genauso lernen wir auch Verhaltensweisen. Wenn ich beim ersten Kennenlernen von jemanden sage “Hallo, du siehst gut aus. Kannst du mir deine Nummer geben?” und es nicht fruchtet, dann lerne ich, dass es nicht gut war.

Wir fassen zusammen: Lernen steckt in uns Menschen drin.

Was sind Fehler im Business-Kontext

Fehler im Arbeitskontext sind Fehlentscheidungen. Und Fehlentscheidungen sind Entscheidungen, die nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Manche sind bewusste Entscheidungen, viele aber unbewusste

Fehler bzw. Fehlentscheidungen können sein:

  • Eine falsche Druckdatei an die Druckerei geschickt. Die Fehlentscheidung ist in diesem Fall, nicht ein letztes Mal überprüft zu haben, welche Datei man schickt.
  • Tippfehler: Man entscheidet sich zum Beispiel für die Geschwindigkeit vor der Korrektheit.
  • Man hat einen Dienstleister eingestellt, ohne jedoch eine Probearbeit gesehen zu haben, dieser erweist sich als nicht so geeignet, wie versprochen. Die Fehlentscheidung ist da ganz klar, egal welche Ursache das gehabt haben mag (Unwissenheit, Sympathie zum Gegenüber, etc.).
  • Ein neues Produkt auf den Markt bringen, was sich als Flop erweist. Die Fehlentscheidungen können hier sehr sehr vielfältig sein. Es könnte eine unzureichende Marktanalyse sein, eine mangelhafte Qualität, der falsche Zeitpunkt…

Fehler können also immer auf Entscheidungen zurückgeführt werden. Das ist ärgerlich, weil man dann ja “selbst schuld” ist. Andererseits ist es wertvoll für die Zukunft, denn im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber als man die Entscheidung gefällt hat, war man ja nicht im Nachhinein

Es bringt nichts Entscheidungen zu bereuen.

“Denn diese hat man anhand der bekannten Gegebenheiten zu dem Zeitpunkt und zu einem bestimmten Ziel getroffen.” 

Entscheidungen und Persönlichkeitstypen

Wie man mit Entscheidungen umgeht, hängt von der Persönlichkeit ab. Man kann einerseits dem Typ entsprechen, der laufend Entscheidungen überdenkt, oder andererseits jenem, der an einer anfangs getroffenen Entscheidung festhält

Keiner dieser Typen ist richtiger als der andere. Typ 1 kann als flexibel gelobt werden, oder aber auch als unbeständig gesehen werden. Auf der anderen Seite kann Typ 2 als konsequent mit einer klaren Linie, oder wiederum als starr und stur betrachtet werden.

Aber man kann größtenteils auch nicht wirklich verändern, wie man prinzipiell Entscheidungen trifft. Man kann nur lernen damit umzugehen.

 

…sed in errare (errore) perseverare diabolicum. …aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch.

Und da kommen wir zum Thema Fehler zurück, und damit zum weniger bekannten zweiten Teil des lateinischen Spruchs.

Ausschlaggebend ist also nicht, ob wir Fehler machen – wir machen ja alle welche. Ausschlaggebend ist was wir anschließend machen. Und das macht aus meiner Sicht neues Leadership aus. Fehler anzuerkennen, insbesondere dazu zu stehen, dass man einen Anteil daran hat, egal ob andere daran beteiligt waren oder nicht, und für die Zukunft zu lernen. 

In der Praxis bedeutet es: Wie kann ich diesen Fehler das nächste Mal vermeiden? Wie kann ich meine Entscheidung anders treffen? Welche Systeme, Parameter oder Kriterien kann ich einführen, um sicher zu stellen, dass der gleiche Fehler, oder vielleicht sogar ähnliche Fehler verhindert werden? Welche mögliche Fehler kann ich in Kauf nehmen, um mein Ziel zu erreichen?

Eine gute Fehlerkultur ist eines der Pfeiler für ein gesundes, innovatives und vertrauensvolles Arbeitsklima. Es ermöglicht jedem einzelnen zu wachsen – allen voran sich selbst. Denn wer im Irrtum bleibt, ist teuflisch. Aber ebenso wer den Irrtum von sich weist.