Einen Coach für Teamführung braucht man, wenn man ein Team führt. Aber wann ist das? Ab wann ist ein Team ein Team? Ab wann kommt es darauf an, ob jemand ein Team führen kann? Hier folgt eine kleine Anleitung, in welchen Stadien ein Coach Sinn ergibt.

1. Wenn man mit mehr als einer Person arbeitet

Der erste Punkt ist nahe liegend, aber nicht der häufigste Grund für ein Coaching. Selbstständige, die mehr Arbeit haben, als sie selbst erledigen können, holen sich typischerweise jemanden zur Hilfe. Oft ist es ein Allrounder, der alles mögliche macht und so den Selbstständigen in diversen Bereichen entlastet.

Später kommen noch vielleicht ein, zwei Personen dazu, die zum Beispiel bestimmte Bereiche abdecken, die zu kurz kommen – Social Media, Newsletter, Organisation, etc. 

Spätestens wenn man mehrere Personen koordiniert, und mit verschiedenen Arten von Persönlichkeiten im Tagesgeschäft arbeitet, ist man auf seine Führungskompetenz angewiesen. Ein Coach hilft einem dabei, diese Kompetenz auszuarbeiten und so den Grundstein für den Aufbau seines Teams zu setzen.

2. Wenn man erste negative Erfahrungen mit Mitarbeitern gemacht hat

Viel häufiger kommt es allerdings vor, dass man sich erst Hilfe holt, wenn man einmal auf die Nase gefallen ist. Die Liste der Stories, die ich bisher miterlebt habe, ist lang. Es geht zum Beispiel um Mitarbeiter, die:

  • ständig Fehler machen und dreimal so lange brauchen um einfache Aufgaben zu erledigen
  • nach einer Gehaltserhöhung fragen, sobald sie etwas neues gelernt haben – obwohl gerade der Unternehmer ihm das beigebracht hat und sie es noch nicht mal richtig können
  • den Job verlassen und anschließend eins zu eins das gesamte Geschäftsmodell kopieren
  • oder schlichtweg, wenn man einfach niemanden geeignetes findet.

Hat man einmal eine negative Erfahrung gemacht, lernt man daraus und macht den Fehler das nächste Mal womöglich nicht mehr. Natürlich kann man so im Learning by Doing weitermachen. 

Aber genau an dieser Stelle kann ein Coaching Sinn machen. Oft geht es im Coaching dann erstmal um die bestimmte Thematik aus der negativen Erfahrung. Idealerweise entdeckt man aber dann das Potenzial von guter Teamführung.

3. Wenn ein Unternehmen zu schnell zu viel gewachsen ist

Mit dem Erfolg kommt das Wachstum. Kommt aber der Erfolg zu schnell, folgen sehr schnell die “Wachstumsschmerzen”.

Der Sprung vom Solopreneur zum “kleinen” Unternehmer mit 2-3 Mitarbeiter lässt sich meist gut überstehen. Häufig arbeiten diese Mitarbeiter in Teilzeit, im Minijob oder frei auf Stundenbasis. Die Struktur muss dazu meist nicht grundlegend geändert werden, bzw. muss dafür nicht zwingend überhaupt eine bestimmte Struktur aufgestellt werden.

Aber schon der Sprung zur nächsten Stufe, mit Festangestellten und/oder mehr Mitarbeitern gestaltet sich aufwendiger. Ist die Struktur nicht stabil genug aufgestellt, folgen Kommunikationsschwierigkeiten, Chaos und Probleme. Und letztendlich eine damit einhergehende Ineffizienz, die wiederum zu höheren Kosten führt. Zudem fühlt sich der Unternehmer womöglich mit der gesamten Situation überfordert.

Spätestens dann ist es Zeit, sich Hilfe zu holen. Ein Coach hilft an der Stelle, die richtigen Prioritäten zu setzen, sowie die Prozesse und die zwischenmenschliche Zusammenarbeit zu überdenken und optimieren.

4. Wenn man Teams Projekt weise leiten muss

Seine persönliche Führungskompetenz zu entwickeln macht nicht nur für eigene Mitarbeiter Sinn, sondern auch für Projekt-Teams. 

Auch Selbstständige arbeiten manchmal auf Projektbasis. Es kann zum Beispiel ein Event sein, oder ein Kundenauftrag, den man nicht vollständig selbst umsetzen kann. In diesem Zusammenhang ist man mit ganz unterschiedlichen Menschen als Dienstleister und Projektteilnehmer konfrontiert. Diese müssen aber so effizient wie möglich für das Projekt geleitet werden.

Ist dies öfters der Fall, oder hat das Projekt eine besondere Größe oder Wichtigkeit, dann macht es Sinn, sich für die Führung von Teams coachen zu lassen. Denn auch in solchen Konstellationen spart man viel Zeit, Mühe und Kosten, wenn das Team richtig strukturiert und angeleitet wird. Es beginnt zum Beispiel damit, dass die richtigen Menschen für das Projekt ausgewählt werden.

5. Wenn man gerade mit seinem Unternehmen startet und etwas Großes vorhat

Dieser letzte Punkt ist aus meiner Sicht der ideale Zeitpunkt für ein Teamführungs-Coaching.

Eigentlich auch der Grund, warum ich meine Beratungs- und Coachingtätigkeit gestartet habe. 

Man kann über ein paar “Handgriffe” vieles direkt von Anfang an richtig machen. Und das erspart einem selbst viel Zeit und Geld. Dennoch ist es einer der seltensten Zeitpunkte, wann Selbstständige und Gründer sich für ein Teamführungs-Coaching entscheiden.

Bevor man selbst ein Team führt, ist einem nicht bewusst, was diese Verantwortung alles mit sich bringt. Dass man erstmal etwas selbst probiert, ist ein ganz menschliches Verhalten. Es geht kaum etwas über die eigene Erfahrung, und daraus zieht man die besten Learnings 

Aber gerade am Anfang hilft ein Teamführungs-Coaching, bessere Entscheidungen von Anfang an zu treffen. Nicht nur Entscheidungen die Mitarbeiter betreffend, sondern allgemein alle Arten von Entscheidungen. Ein gutes Coaching führt den Coachee durch seine Persönlichkeit, seine Stärken, seine Werte und seine Mission, die das Fundament des eigenen Unternehmens sind.

In der Realität ist es eher selten der Fall, dass Gründer auf dieser Ebene so früh im Prozess in sich investieren. Dafür gibt es nun mal oft in dem Stadium zu viele “Baustellen”.

Und wann man keinen Coach für Teamführung braucht

  • Man hat nur ganz wenige Mitarbeiter und es funktioniert wunderbar. Alle sind gut aufeinander abgestimmt und man stellt in absehbarer Zeit keine weiteren Personen an.
  • Sofern man nicht vorhat, überhaupt Mitarbeiter zu haben
  • Wenn man Angestellter ist, und in seinem Unternehmen einen tollen, kompetenten Vorgesetzten hat, und eine Unternehmenskultur herrscht, die interne Coaching- und Mentoring-Modelle begrüßt
  • Wenn man der Meinung ist, dass man es selbst kann.

Teambuilding und Führungskompetenz ist eines der Kernthemen, die Selbstständige von Unternehmern unterscheiden. Ein Selbstständiger holt sich Hilfe für punktuelle Aufgaben, er macht alles selbst und braucht nur einen verlängerten Arm oder eine Hand mehr bzw. am Liebsten einen Klon von sich. Der Unternehmer verfolgt ein größeres Ziel, seine Mission, und sieht seine Tätigkeit nicht als das reine Produkt aus seinen Händen (oder Gehirn), sondern sieht die Tätigkeit des Unternehmens als Ganzes.