Selbstständigkeit, das ist nichts für mich. Ich brauche die Sicherheit. Ich muss wissen, wie viel Geld am Ende des Monats auf mein Konto überwiesen wird. Nur mit dieser Regelmäßigkeit ist das Leben wirklich planbar.

Alles schlaue Sätze, an die ich früher felsenfest geglaubt habe.

Manchmal kommt alles ganz anders als man denkt.

 

Damals: Ich bin nicht der Selbstständigen-Typ

Ich habe mir früher nie vorstellen können, selbstständig zu werden oder ein eigenes Unternehmen zu haben. Ich dachte, es erfordert ganz viele Eigenschaften, die ich nicht habe. Aber ich wollte es auch nicht. Für mich bedeutete Selbstständigkeit Unsicherheit.

Natürlich fand ich Andere meist beeindruckend, die das taten. Am meisten hat mich beeindruckt, dass sie so viel Verantwortung übernahmen. Dass sie sich Freiheit zum Preis der Unsicherheit erkauften.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, glaube ich, dass ich den Glaubenssatz hatte, dass man als Selbstständiger nur Erfolg hat, wenn man gut ist. Man muss die Überzeugung und Selbstsicherheit haben, dass man besonders gut ist. Und das war vermutlich lange konträr zu meiner Eigenwahrnehmung. Nicht dass ich mich für schlecht hielt. Aber zumindest nicht für so viel besser als Andere.

Und zuletzt wollte ich es einfach nicht. Es ist irgendwo einfach zu wissen, dass man immer das gleiche Geld erhält, egal ob man Gas gibt, oder Urlaub macht.

Und doch: In die Selbstständigkeit hineingerutscht

Wäre mein letztes Festanstellungsverhältnis eine Ehe gewesen, hätten wir uns aufgrund “unüberbrückbarer Differenzen” getrennt. Jedenfalls kam genau dann die Überlegung, was ich als nächstes aus meinem Leben machen sollte. 

Meine Liste der Bedingungen für einen Job war über die Jahre länger geworden: Gute Firma, gute Produkte von denen ich überzeugt bin, gutes, wertschätzendes Arbeitsklima, Personalverantwortung, Verantwortung und Eigenständigkeit. Ach so, und gutes Geld, wenig Überstunden und in Radfahr-Nähe von meinem Wohnort. Ne, ist klar. Jedenfalls je mehr Zeit verging, desto weniger Kompromisse war ich bereit einzugehen.

Plötzlich wurden mir (eher zufällig oder sogar “ungefragt) Freelance-Aufträge angeboten, ohne dass ich wirklich aktiv danach gesucht hätte. Ich merkte schnell, dass ich gebucht und wieder gebucht werde, weil ich tatsächlich gut bin, in dem was ich tue. Menschen und Unternehmen bezahlen Geld dafür, dass ich für sie arbeite. Meiner Leistung steht unmittelbar mein Einkommen entgegen.

 

Und heute: Da wo ich sein soll

Inzwischen denke ich, dass es ein kräftiger Wink mit dem Schicksal-Zaunpfahl war. Ich wollte die Selbstständigkeit erstmal “als Übergang” annehmen. Aber ganz schnell habe ich erkannt, dass ich Gefallen daran finde, auf eigene Rechnung zu arbeiten. Entscheiden zu können, ob ich einen Auftrag annehme oder ablehne. Mir Auszeiten nehmen und mir selbst einteilen, wie viele Stunden ich in die Arbeit stecken will und wann, ohne jemanden darum bitten zu müssen.

Ich mache aber ein Geständnis im Geständnis: Das mache ich alles auch nur, weil ich von meinen Ersparnissen im schlimmsten Fall über ein Jahr leben könnte. Ich musste bisher nicht dran, aber zu wissen, dass es da ist, ermöglicht es mir freier Entscheidungen zu treffen. Schließlich legt man doch nicht komplett sein Sicherheitsdenken weg.

Sag niemals nie. Aber heute könnte ich mir kaum noch vorstellen, wieder in einer Anstellung zu sein. Nicht mehr selbst zu entscheiden, woran ich arbeite und wann. Mich nicht spontan, tagsüber mit anderen selbstständigen Freunden auf ein Kaffee treffen zu können. Ich habe in der Zeit so viel gelernt wie noch nie zuvor. Das kann ich heute nicht mehr so einfach aufgeben.

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