Viele Selbstständige stellen sich irgendwann die Frage: „Bin ich groß genug für einen Festangestellten?“

Sie schauen auf ihren Umsatz, vergleichen sich mit anderen und warten darauf, dass sich irgendwann das Gefühl einstellt: Jetzt bin ich bereit.

Spoiler: Dieses Gefühl kommt nicht einfach so.

Ob du bereit bist für deinen ersten Festangestellten, hängt nicht in erster Linie von deiner Unternehmensgröße ab. Es gibt eine Reihe von Faktoren – unternehmerische und persönliche – die dir helfen, diese Entscheidung wirklich fundiert zu treffen. 

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TEAM-UP Podcast | Folge #142 | Wann ist es Zeit für dein erster Festangestellte: Die etwas andere Checkliste

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Deine Vision: Wo willst du überhaupt hin?

Der erste und wichtigste Ausgangspunkt ist deine Vision.

Nicht: Was kostet ein Festangestellter? Sondern: Wo möchtest du in drei, fünf oder zehn Jahren stehen? Wie möchtest du leben und arbeiten? Was für ein Unternehmen möchtest du aufgebaut haben?

Denn erst wenn du weißt, wohin die Reise geht, kannst du beurteilen, ob Festangestellte auf diesem Weg sinnvoll sind. Ohne diese Klarheit triffst du Entscheidungen, die vielleicht gar nicht zu dem passen, was du wirklich willst.

Manche Selbstständigen möchten ein Unternehmen aufbauen, das eines Tages ein ganzes Team hat. Andere möchten ein schlankes, aber starkes Setup mit wenigen, aber richtigen Menschen.

Beides ist legitim. Aber es macht einen Unterschied, welchen Weg du gehst.

Deine Ziele für die nächsten 12 Monate

Nachdem die Vision klar ist, geht es eine Ebene konkreter:

Was möchtest du in den nächsten zwölf Monaten erreichen?

Beispielsweise:

  • Mehr Umsatz?
  • Weniger Arbeitsstunden?
  • Mehr Gewinn, ohne mehr zu arbeiten?
  • Neue Angebote entwickeln?
  • etc.

Die Ziele zeigen dir, was sich verändern muss.

Und dann kommt die entscheidende Folgefrage: Wie erreichst du diese Ziele?

Kannst du deine Ziele alleine erreichen?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Wenn du deine Ziele alleine erreichst, dann brauchst du gerade niemanden. Dann geht es darum, deine Prioritäten zu setzen, effizienter zu werden oder an bestimmten Stellen nachzujustieren.

Aber: Effizienz allein löst nicht alles.

Mit KI kannst du vieles deutlich schneller machen. Aber das nimmt dir nicht die mentale Last ab, an alles denken zu müssen.

Du wirst nicht weniger Verantwortung tragen, nur weil einzelne Aufgaben schneller gehen. Im Gegenteil: Wenn du überall schneller wirst, landet oft einfach noch mehr auf deinem Tisch.

Wenn du merkst, dass du der Flaschenhals für alles bist, dass alles über dich läuft, dass du ständig an mehreren Baustellen gleichzeitig arbeitest und keine Kapazität mehr hast für das, was dein Business wirklich weiterbringt, dann ist das ein klares Zeichen.

Neue Angebote entwickeln, Kunden gewinnen, strategisch denken: Das alles bleibt liegen, weil du damit beschäftigt bist, den Alltag am Laufen zu halten.

Freelancer oder Festangestellte – wo liegt der Unterschied?

Viele Selbstständige arbeiten bereits mit Freelancern. Warum also noch Festangestellte?

Der Unterschied liegt im Fokus und in der Verbindlichkeit.

Ein Freelancer hat naturgemäß mehrere Auftraggeber. Du bist ein Teil seines Portfolios, auch wenn er sehr engagiert ist. Ein Festangestellter hat in der Regel einen Job: deinen. Er arbeitet langfristig mit dir, kennt dein Business tiefer und entwickelt ein ganz anderes Maß an Commitment.

Das zeigt sich auch im täglichen Miteinander. Wenn du dich allein fühlst, als wärst du die einzige, die wirklich an dem Strang zieht, obwohl du Freelancer hast, wenn du mehr Drive im Team brauchst, mehr echte Mitarbeit an der Vision, dann ist das oft ein Zeichen, dass Freelancer nicht mehr ausreichen.

Hinzu kommt: Manche Aufgabenbereiche sind zu komplex und zu eng miteinander verknüpft, um sie sinnvoll an Freelancer zu übergeben.

Wenn Zusammenhänge tief im Business verwurzelt sind und viel Kontextwissen brauchen, braucht es jemanden, der dauerhaft dabei ist.

Personalkosten sind eine Investition.

Personalkosten sind Kosten. Das stimmt. Aber die hilfreiche Perspektive ist eine andere: Sie sind eine Investition.

Du stellst niemanden fest an, nur um ein Team zu haben. Du tust es, weil du etwas erreichen möchtest. Und von einer Investition erwartest du irgendwann einen „Return on investment“: mehr Zeit, mehr Umsatz, mehr Wachstum, mehr Fokus auf das, was wirklich wichtig ist, oder was auch immer deinem Ziel entspricht.

Dieser Return kommt aber nicht sofort. Ein neues Teammitglied braucht Zeit zum Einarbeiten. Das ist normal und darf eingeplant sein.

Die relevante Frage lautet also: Wie viel kannst du investieren? Und wie lange kannst du diese Investition tragen, bis sie sich auszahlt?

Das gibt dir eine realistische Einschätzung, welche Art von Stelle du dir gerade leisten kannst und welche nicht.

Dein Sicherheitsempfinden und deine Risikobereitschaft

Hier wird es persönlich.

👉 Wie viele Rücklagen brauchst du, um ruhig schlafen zu können?
👉 Ist es ein bestimmter Betrag auf dem Konto?
👉 Ist es die Gewissheit, dass du weißt, wie du regelmäßig verkaufst?
👉 Ist es das Gefühl, zu wissen, worauf du dich einlässt: rechtlich, finanziell, als Führungsperson?

Ein Sicherheitsbedürfnis ist keine Schwäche. Es ist ein Schutzreflex. Er bewahrt uns davor, unüberlegt zu handeln.

Aber er kann uns auch bremsen, wenn wir mehr auf die Angst hören als auf das, was möglich wäre.

Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Nicht beim ersten Festangestellten, nicht beim zehnten. Es bleibt immer ein Rest Unbekanntes.

Die Frage ist nicht: „Bin ich restlos sicher?“

Sondern: „Was brauche ich, um zu sagen: ich fühle mich informiert, ich kenne die wesentlichen Parameter, und ich bin bereit, diesen Schritt zu gehen?“

Das ist individuell. Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage, wie viele Monatsgehälter als Rücklage „richtig“ sind. Das hängt davon ab, wie du gestrickt bist.

Beantworte ehrlich diese Frage: Was hält dich wirklich davon ab?

Wenn du weißt, dass du eigentlich in die Richtung willst, und es trotzdem zögerst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Frag dich:

„Was hält mich davon ab, jemanden fest anzustellen?“

Und dann:

„Ist das ein echter Grund oder ein Glaubenssatz?“

Ein echter Grund könnte sein: Du weißt gerade nicht, ob du in den nächsten Monaten konstant Umsatz machen wirst. Das ist ein legitimer Grund zum Innehalten.

Aber in vielen Fällen steckt dahinter etwas anderes. Zum Beispiel:

  • „Ich will nicht Chefin sein.“
  • „Ich möchte nicht verantwortlich für andere Menschen sein.“
  • „Ich bin nicht der Chef-Typ.“
  • „Festangestellte bedeuten, ständig Händchen halten zu müssen.“

Das sind keine Fakten. Das sind Überzeugungen, oft geprägt von Führung, die du selbst erlebt hast und die du so nicht sein wolltest.

Die Realität: Es ist dein Business. Es sind deine Regeln.

Du baust dein Team so auf, wie es zu dir passt. Es gibt Menschen, für die du genau die richtige Führungsperson bist, nicht weil du dich verstellst, sondern weil du so bist, wie du bist. Und die Menschen, die nicht zu dir passen, wären anderswo besser aufgehoben. Das gilt umgekehrt genauso.

Wenn du das richtige Team um dich hast, lösen sich viele dieser Glaubenssätze auf.

Weil du dann nicht Chefin spielst, sondern einfach du bist.

Glaubst du an dein eigenes Business?

Das ist der letzte Punkt und vielleicht der persönlichste.

Festangestellte bleiben. Sie arbeiten langfristig mit dir, an deiner Vision, an dem, was du aufbaust. Das setzt voraus, dass du selbst hinter deinem Business stehst.

Und das bedeutet keinesfalls, dass du immer hundertprozentig überzeugt sein wirst und nie zweifelst. (Im ernst, tun wir alle!) Höhen und Tiefen gehören dazu.

Aber im Kern: Glaubst du daran, was du tust? Glaubst du, dass es gebraucht wird und dass es langfristig trägt?

Wenn ja, dann macht es Sinn, Menschen reinzuholen, die genau das mit dir gemeinsam voranbringen.

Fazit: Du wirst dich nie wirklich „bereit“ fühlen, also schaue auf andere Faktoren.

Ob du bereit bist für deinen ersten Festangestellten, ist keine Frage des Umsatzes allein. Es sind diese sieben Faktoren, die zusammen ein realistisches Bild ergeben:

  1. Vision: Macht es überhaupt Sinn, in Richtung Team zu denken?
  2. Ziele: Was willst du in den nächsten zwölf Monaten erreichen?
  3. Kapazität: Kannst du diese Ziele alleine erreichen – oder bist du dein eigener Engpass?
  4. Freelancer vs. Festangestellte: Reicht die bisherige Unterstützung noch aus?
  5. Finanzen: Was kannst du investieren, und wie lange kannst du die Investition tragen?
  6. Sicherheit: Was brauchst du, um informiert und geerdet diesen Schritt zu gehen?
  7. Überzeugung: Stehst du hinter dem, was du aufbaust?

Das Gefühl, wirklich „bereit“ zu sein, stellt sich nicht ein wie ein Schalter. Was du stattdessen hast, sind diese Faktoren – und die Entscheidung, die du auf ihrer Basis triffst.

FAQ: Häufige Fragen rund um den ersten Angestellten

Muss ich einen bestimmten Umsatz haben, bevor ich jemanden fest anstelle?

Einen festen Mindestumsatz gibt es nicht. Entscheidend ist, ob du die Investition tragen kannst – also die Lohnkosten für einen realistischen Zeitraum, bevor sich die Stelle auszahlt. Das hängt von deinem konkreten Setup ab, nicht von einer universellen Zahl.


Ich habe bereits Freelancer: reicht das nicht?

Manchmal ja, manchmal nein. Freelancer sind eine gute Lösung für klar abgegrenzte Aufgaben. Wenn deine Aufgaben aber komplex und eng miteinander verknüpft sind, wenn du das Gefühl hast, alleine zu arbeiten obwohl andere involviert sind, oder wenn du mehr Drive und echtes Mitdenken brauchst – dann ist es an der Zeit, über Festangestellte nachzudenken.


Was, wenn ich nicht der „Cheftyp“ bin? 

Das ist meistens ein Glaubenssatz, kein Fakt. Führung sieht nicht für alle gleich aus. Du baust dein Team nach deinen Regeln auf – und es gibt Menschen, die genau mit jemandem wie dir arbeiten wollen. Die Frage ist nicht, ob du in eine bestimmte Chefrolle passt. Die Frage ist, wer zu dir passt.

 

Porträt Angelique Dujic Mentorin für Teamaufbau für Gründer*innen & Unternehmer*innen

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