Ich habe mit Lisa Kosmalla über ein Thema gesprochen, das viele Selbstständige beschäftigt, aber selten offen besprochen wird: Wie baut man ein Business, das nicht nur funktioniert, sondern auch zum eigenen Nervensystem passt.
Lisa ist Expertin für Business-Architektur und für nervensystem-freundliches Business. Sie war selbst kurz vor einem Burnout und hat aus dieser Erfahrung heraus ihre Arbeitsweise komplett verändert.
Im Gespräch geht es um Angebote, Strukturen, Automatisierung, Team und die Frage, wie viel Risiko und Stabilität ein Business gleichzeitig verträgt.
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TEAM-UP Podcast | Folge #148 | Langeweile im eigenen Business: Ausstiegssignal oder normal? Im Gespräch mit Lisa Kosmalla
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Angélique: Liebe Lisa, aus deiner Erfahrung mit vielen Unternehmer*innen, warum verlieren wir manchmal die Lust an unseren eigenen Angeboten?
Lisa: Ich erlebe das bei vielen meiner Kundinnen: Dass irgendwann die eigenen Angebote oder das eigene Business langweilig wird.
Wie stark das Gefühl ist, hängt vom jeweiligen Typ ab. Manche Menschen können Routinen im Business lange durchhalten, ohne dass es sie stört. Andere brauchen immer wieder etwas Neues und finden es schnell langweilig, wenn sich nichts verändert.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Angebot gleich komplett eingestampft werden muss. Oft reichen kleine Anpassungen, um die Begeisterung zurückzuholen.
Es ist völlig normal, dass es im Business immer wieder Phasen gibt, in denen etwas knirscht. Das ist kein Grund, alles über den Haufen zu werfen, sondern ein Hinweis darauf, dass eine Stellschraube gedreht werden darf.
Angélique: Ist Langeweile im Business ein Zeichen, dass man aufhören sollte?
Lisa: Nicht unbedingt. Unternehmerinnen haben oft ein gewisses Faible für Risiko und für den Adrenalinkick, der beim Aufbau eines Business entsteht. Läuft das Business irgendwann stabil, fehlt dieser Kick. Genau das verwechseln viele mit Langeweile.
Dabei ist es eigentlich etwas anderes: Es ist schwer auszuhalten, dass keine Existenzangst mehr da ist und dass es einfach läuft. Businessaufbau ist wie ein Fluss voller Stromschnellen. Solange man mittendrin paddelt, wünscht man sich den ruhigen Fluss. Ist man dann endlich auf dem ruhigen Fluss angekommen, vermisst man plötzlich die Stromschnellen.
Angélique: Wie hältst du es aus, wenn dein Business endlich stabil läuft?
Lisa: Ein wichtiger Schritt ist, sich bewusst zu machen, wie das eigene Nervensystem tickt und was es tatsächlich braucht.
Wer merkt, dass ihm der Nervenkitzel fehlt, kann sich diesen gezielt an anderer Stelle zurückholen, zum Beispiel über ein neues Projekt, statt das stabile Business unnötig zu gefährden. So bleibt Raum für ein nervensystem-freundliches Business, das trotzdem nicht in Stillstand verfällt.
Ein weiterer Punkt ist, Wiederholung zu reduzieren. Inhalte, die schon tausendmal erklärt wurden, können aufgezeichnet werden, statt sie immer wieder live zu wiederholen. So entsteht Zeit für Dinge, die wieder Spaß machen.
Angélique: Mehr oder weniger Angebote: Was ist der bessere Weg?
Lisa: Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Entscheidend ist, wie die Unternehmerin selbst tickt und welches Geschäftsmodell zu ihr passt. Manche sind mit vielen kleinen Angeboten erfolgreich, wenn sie Lust auf das dazugehörige Marketing haben. Andere kommen mit einem einzigen Angebot sehr weit.
Ich glaube an ein sogenanntes „Signature“-Angebot: ein Kernangebot, für das man bekannt ist und das die Marke stärkt.
Rund um dieses Angebot können weitere Angebote entstehen, die zum Signature-Angebot hinführen. Diese kleineren Angebote dürfen auch als Spielwiese für Neues dienen, ohne dass das Kernangebot ständig verändert werden muss.
Angélique: Woran erkennst du eine Wachstumsbremse im Business?
Lisa: Der erste Blick geht immer erstmal auf den Alltag: Wie ist die Woche organisiert, wo hängt die Unternehmerin noch selbst mit drin, wo laufen Dinge auch ohne sie. Wenn wirklich alles von einer Person abhängt, wird es schwierig, sobald sie krank wird oder Urlaub macht.
Das nenne ich Base-Line-Business: ein Business, das mindestens einen Monat lang auch mit stark reduziertem Einsatz weiterläuft. Umsatz und Marketing sollen weiterlaufen, auch wenn die Unternehmerin gerade nicht aktiv eingreift.
Angélique: Wie viel darf im Business automatisiert werden?
Lisa: Automatisierung ist ein wichtiger Hebel, um sich zu entlasten, besonders im Marketing, das viele Unternehmerinnen ohnehin nicht besonders gern machen.
Automatisierung muss aber nicht überall stattfinden. Wichtig ist, sich so weit unabhängig zu machen, dass eine Woche Krankheit oder Pause das Business nicht ins Wanken bringt.
Gleichzeitig würde ich emopfehlen, nicht alles automatisieren zu wollen. Wer die direkte Arbeit mit Kund*innen liebt, sollte genau diesen Teil nicht wegrationalisieren. Die Reflexion, was wirklich entlastet und was einem eigentlich wichtig ist, hält sie für zentral.
Angélique: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Team?
Lisa: Ein Business kann lauch ganz ohne Team funktionieren, dann muss es aber technisch schlank aufgebaut sein. Sobald ein Geschäftsmodell mehr persönliche Betreuung braucht, etwa ein Onboarding mit echten Menschen statt reiner Automatisierung, kommt Team ins Spiel.
Ein klares Signal ist außerdem, wenn sich die Rolle als Unternehmerin und die Rolle im Support vermischen. Das verwässert die eigene Expertinnen-Rolle gegenüber den Kund*innen.
Team ist aber niemals die Lösung für schlechte Strukturen. Erst wenn Prozesse effizient laufen, macht ein zusätzliches Teammitglied wirklich Sinn.
Angélique: Wie gehst du mit Vorbildern um, ohne dich zu verbiegen?
Lisa: Vorbilder können inspirieren. Das eigene Business einfach nachzubauen, funktioniert aus meiner Sicht aber nicht.
Jede Unternehmerin hat andere Ressourcen, andere Startbedingungen und andere Voraussetzungen. Wer wenig Geld oder wenig Zeit zur Verfügung hat, muss anders vorgehen als jemand mit ganz anderem Ausgangspunkt.
Entscheidend ist die Frage, welchen Erfolg man überhaupt will und zu welchem Preis. Nicht jeder Weg, der bei jemand anderem funktioniert, passt automatisch zur eigenen Situation.
Angélique: Welchen Preis bist du bereit, für Erfolg zu zahlen?
Lisa: Jeder Erfolg hat einen Preis. Ich zum Beispiel brauche viel Schlaf. Schön, dass andere mit wenig Schlaf auskommen und dadurch mehr Arbeitsstunden am Tag haben. Aber ich entscheide mich bewusst dagegen, diesen Preis zu zahlen, weil mir Schlaf, meine Freizeit für Familie und Hobbies und Ausgleich wichtiger sind als zusätzliche Arbeitsstunden.
Ohnehin bin ich der Meinung: Jede Unternehmer*in braucht ein Hobby!
Angélique: Was ist dein wichtigster Rat für ein nervensystem-freundliches Business?
Lisa: Das Business sollte um das eigene Leben herum gebaut werden, nicht umgekehrt. Wenn es hart auf hart kommt, soll sich das Business anpassen. Nicht die/der Unternehmer*in muss sich verbiegen.
Fazit:
Lisa Kosmalla zeigt im Gespräch, dass Angebote, Struktur und Team kein Selbstzweck sind. Sie sollen dem eigenen Leben dienen, nicht umgekehrt.
Ein nervensystem-freundliches Business bedeutet, ehrlich hinzuschauen, was wirklich entlastet, wo Automatisierung sinnvoll ist und wann ein Team tatsächlich gebraucht wird.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Erfolg hat immer einen Preis, und die eigene Aufgabe ist es, bewusst zu entscheiden, welchen Preis man bereit ist zu zahlen.
Über Lisa Kosmalla
Lisa Kosmalla ist Unternehmerin und Expertin für Business-Architektur und nervensystem-freundliches Business. Sie arbeitet selbst 15 Stunden pro Woche, macht im Sommer sechs Wochen Pause und ist einmal knapp an einem Burnout vorbeigeschrammt.
Direkt aus der Schmerzklinik hat sie damals ihren Businessplan neu geschrieben, weil ihr klar wurde: Ein gesundes Business braucht funktionierende Strukturen.
Heute unterstützt sie Unternehmerinnen dabei, Angebote, Abläufe und Marketing so aufzustellen, dass ihr Business wachsen kann, ohne dass sie sich dabei überfordern. In ihrem Stay on Track Club begleitet sie Unternehmerinnen regelmäßig bei strategischen Fragen, außerdem arbeitet sie weiterhin eins zu eins mit Kundinnen.
Zu ihrer Website: https://www.lisakosmalla.de/
Zu ihrem Instagram: https://www.instagram.com/lisa_kosmalla/
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