Der häufigste Irrtum bei der Remote-Zusammenarbeit: zu glauben, dass in einem Remote Team kein echtes Team-Gefühl entstehen kann.
Das stimmt einfach nicht. Und ich gehe einen Schritt weiter: Ich glaube, dass alle, die das behaupten, das als Grund nehmen, um Home Office abzulehnen.
Aber wer ein Remote Team führen will, muss sich mit Aspekten auseinandersetzen, die vor Ort oft nebenbei mitlaufen, und die remote plötzlich aktiv gestaltet werden müssen.
Egal wann, wo und wie ein Team zusammenkommt: Führung fällt an. Die Frage ist nur, worauf es dabei besonders ankommt, wenn das Team nicht an einem Ort sitzt.
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TEAM-UP Podcast | Folge #155 | Mini-Serie Remote-Teams [4]: So führst du dein Team, wenn es nicht vor Ort ist
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Der größte Irrtum bei der Remote-Führung
Viele gehen davon aus, dass vor Ort automatisch mehr Kontrolle herrscht, weil man sieht, wer da ist und wer arbeitet. Das ist ein Trugschluss.
Nur weil Menschen im selben Büro sitzen, heißt das nicht, dass eine echte Kontrolle über die Arbeit besteht. Remote entfällt lediglich das Gefühl, diese Kontrolle zu haben, nicht die Kontrolle selbst.
Dieses fehlende Gefühl führt schnell zu spontanen Gedanken wie: Macht die Person gerade ihren Haushalt, statt zu arbeiten? Solche Gedanken entstehen immer dann, wenn kein Vertrauen da ist.
Vertrauen statt Kontrolle: die Basis für die Führung eines Remote Teams
Vertrauen bedeutet nicht, blind zu vertrauen. Es bedeutet auch nicht, zu viel zu vertrauen. Es braucht eine gute Grundlage, auf der Vertrauen überhaupt entstehen kann.
Dazu gehören:
- Klarheit über Rollen, Arbeitsergebnisse und Ziele
- Eine konsistente Unternehmenskultur
- Identifikation mit dem Unternehmen
- Das Gefühl, dass die eigene Arbeit wirklich einen Unterschied macht
Wenn Arbeit keinen erkennbaren Unterschied macht, gibt es auch keinen Grund, sie zu tun. Das klingt logisch, wird aber in vielen Unternehmen übersehen: Es wird wochenlang an etwas gearbeitet, das am Ende gar nicht präsentiert wird, weil sich Prioritäten verschoben haben. Das ist kein Randproblem, sondern ein typisches Beispiel dafür, wie Sinn verloren geht.
Vertrauen aufzubauen bedeutet auch, sich mit den eigenen Glaubenssätzen und Erfahrungen auseinanderzusetzen. Wer selbst in einer Arbeitsumgebung ohne Wertschätzung und Rückmeldung gearbeitet hat, hat intrinsisch gelernt, dass sich Engagement nicht lohnt. Das macht es schwieriger, anderen zu vertrauen.
Neben Rollen und Zielen braucht es auch die richtigen Menschen an den richtigen Positionen. Wer das Gefühl hat, dass die eigenen Stärken gebraucht werden, arbeitet eher engagiert. Das gilt unabhängig vom Arbeitsort; remote wird nur sehr viel deutlicher sichtbar, wo es in der Führung und Kommunikation hakt.
Wie du merkst, wie es deinem Team wirklich geht
In einem Büro fallen nonverbale Signale auf: wie jemand aussieht, wie jemand sich bewegt, ob etwas nicht stimmt. Remote fällt das weg.
Allerdings ist es auch vor Ort ein Trugschluss, davon auszugehen, dass man automatisch mitbekommt, wie es jemandem geht. Wer gelernt hat, Dinge herunterzuschlucken, zeigt das auch im Büro nicht.
Deshalb braucht es als Führungskraft eine bewusste Wahrnehmung und Verbindung zu den Teammitgliedern:
- Was sind ihre Stärken?
- Wie können sie bestmöglich eingesetzt werden?
- Sitzen die Menschen überhaupt in den richtigen Rollen?
- etc.
Das bedeutet aktiv nachzufragen, nicht nur einmal, sondern als Teil einer offenen Kultur.
Wichtig dabei: Wer offen mitteilt, dass es ihm nicht gut geht, darf dafür nicht im Nachhinein in einem Feedbackgespräch negativ darauf angesprochen werden. Das ist das Schlimmste, was in so einer Situation passieren kann.
Mitarbeitende sind Menschen mit einem eigenen „Rucksack“ an Themen. Vor Ort kann man kurz vorbeischauen und nachfragen, wie es geht. Remote muss diese Intention aktiv gesetzt und umgesetzt werden.
So entsteht eine echte Verbindung und die Basis für Loyalität. Teammitglieder bleiben langfristig, wenn sie merken, dass sie als Menschen gesehen werden und nicht nur als jederzeit ersetzbare Arbeitsmaschine.
Fürsorgepflicht auch ohne Büro: Grenzen setzen und Überarbeitung erkennen
Als Arbeitgeber*in hast du eine Fürsorgepflicht: Die Arbeit darf deine Mitarbeitenden nicht krank machen.
Das bedeutet, einen Blick darauf zu haben, wie es den Menschen im Homeoffice geht. Fällt es schwer, Arbeit und Privatleben zu trennen? Fühlt sich jemand einsam? Dabei geht es nicht darum, ob jemand glücklich mit dem Job ist, das ist eine andere Ebene, sondern darum, dass die Arbeit nicht krank macht.
Wer sich gut aufgehoben fühlt, leistet bessere Arbeit. Klare Grenzen und klare Regeln dürfen deshalb transparent kommuniziert werden.
Gleichzeitig lohnt sich ein Blick darauf, ob jemand zu viel arbeitet oder ständig erreichbar ist. Das wirkt zunächst wie Motivation, kann sich aber langfristig negativ auf Gesundheit und Motivation auswirken.
Entscheidend ist, wie Menschen eingebunden sind:
➡️ Haben sie eine klare Rolle und einen klaren Verantwortungsbereich?
➡️ Können sie selbst gestalten und Lösungen finden?
Gleichzeitig gilt: Eine Führungskraft ist nicht für die persönliche Weiterentwicklung der Teammitglieder verantwortlich und auch nicht Therapeut*in. Wenn du, wie so viele meiner Kund*innen, dazu tendierst, dich gerne um andere zu kümmern, dann entsteht ggf, dieses Gefühl der Verantwortung.
Du darfst dir klar machen, wo die Grenze deiner Verantwortung ist.
Einarbeitung remote gestalten: bewusst statt beiläufig
Bei der Einarbeitung unterscheidet sich Remote-Führung deutlich von der Zusammenarbeit vor Ort.
Beiläufige Kontakte wie ein kurzes „Hallo, bist du die Neue?“ auf dem Flur entstehen remote nicht automatisch. Neue Mitarbeitende müssen bewusst ins Unternehmen, ins Team und in die Unternehmenskultur hineingeholt werden.
Was sich dabei als sinnvoll erwiesen hat:
- Persönliche Eins-zu-eins-Gespräche mit jedem bisherigen Teammitglied, mit festem Termin – sonst wird es leicht aufgeschoben
- Ein Leitfaden für diese Gespräche, damit sie nicht bei einem knappen „Na, wer bist du?“ stehen bleiben
- Eine klare Deadline, bis wann alle Gespräche stattgefunden haben sollen, zum Beispiel innerhalb der ersten zwei bis vier Wochen.
Ein Leitfaden für diese Gespräche kann Fragen enthalten wie:
„Was macht dich als Mensch aus?“
„Was arbeitest du hier?“
„Mit wem hast du am meisten zu tun?“
„Wann bist du gut erreichbar?“
Die neue Person bekommt dabei auch die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen und mitzuteilen, wo sie sich einbringen möchte.
Häufig wird in der Einarbeitung darauf gesetzt, dass die neue Person einfach zuschaut. Das ist bedingt sinnvoll. Am Anfang hilfreich, aber auf Dauer keine gute Strategie, da man am besten lernt, indem man selbst macht.
Für ein Remote Team führen bedeutet das: Die Einarbeitung braucht eine bewusste Planung. Was passiert in den ersten Stunden, den ersten Tagen, den ersten Wochen und Monaten…
So kommen neue Teammitglieder nicht nur inhaltlich, sondern auch menschlich im Team an.
Anerkennung und Wertschätzung sichtbar machen
Feedback und Anerkennung gehören zur Führung, und zwar vor Ort und remote.
Vielen fällt das grundsätzlich schwer. Entscheidend ist, sich bewusst zu machen, wie Anerkennung überhaupt vermittelt wird.
Ein kurzes „Danke, super, dass du das gemacht hast“ fühlt sich für die Führungskraft nach Wertschätzung an. Aber kommt das beim Gegenüber auch so an?
Remote lohnt es sich besonders, sich Gedanken darüber zu machen, auf welchem Weg Anerkennung ausgesprochen wird: schriftlich, im Live-Meeting oder in einem separaten Gespräch.
Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Wege. Wichtig ist, ein Muster zu finden, das zu deiner eigenen Persönlichkeit passt, damit Wertschätzung nicht aufgesetzt wirkt. Das unterstützt die Motivation im Team, weil Menschen in ihrem Aufwand gesehen werden.
Zusammenhalt im Team stärken: ohne künstliche Team-Events
Eine Aufgabe von Führung ist es, den Zusammenhalt im Team zu stärken.
Ich bin kein Freund von Teamevents als Tool für den Teamzusammenhalt. Menschen künstlich zusammenzubringen, funktioniert nicht zuverlässig.
Ist die Basis im Team wiederum stimmig, stärkt ein gemeinsames Erlebnis wie ein jährliches Live-Treffen den Zusammenhalt zusätzlich. Stimmt die Basis nicht, bringt ein Team-Event, egal ob Klettern oder Escape Room, wenig, weil bestehende Spannungen oder Konflikte davon unberührt bleiben.
Der naheliegendste und wirksamste Hebel für Zusammenhalt ist ein gemeinsamer Zweck. Dabei reicht es nicht aus, davon auszugehen, dass sie zusammenarbeiten allein schon ein ausreichender Zweck ist.
Entscheidend ist viel mehr, wie Menschen tatsächlich zusammenarbeiten: Wer gemeinsam an Projekten arbeitet und täglich miteinander zu tun hat, baut dadurch eine natürliche Verbindung auf, ganz ohne künstliche Maßnahmen.
Das setzt voraus, dass Teammitglieder eigene Rollen haben und nicht alles über die Führungskraft laufen muss.
So entsteht der Raum, in dem sie den Alltag miteinander teilen und dadurch persönliche Verbindung aufbauen. Diese Verbindung über gemeinsame Zusammenarbeit und geteilten Zweck ist stärker als jede zusätzlich aufgesetzte Maßnahme.
Das gilt sogar für Teams, deren Mitglieder sich noch nie live gesehen haben und ausschließlich per Chat und gelegentlich per Video kommunizieren: auch dort kann ein starker Zusammenhalt entstehen.
Remote Führung ist Führung in der Nacktvariante
Remote-Führung ist letztlich Führung, nur eben ohne die Möglichkeit, Lücken durch beiläufige Kontakte oder räumliche Nähe zu überdecken.
Manche Dinge fallen dadurch einfach viel früher auf. Das macht es umso wichtiger, sich mit der eigenen Führung auseinanderzusetzen: Welche Struktur passt zu dir? Welche Unternehmenskultur passt zu deinem Unternehmen? Diese Antworten sind für jede Führungskraft individuell.
Fazit:
Ob ein Team vor Ort oder remote aufgebaut wird, spielt am Ende keine Rolle für die grundlegenden Fragen der Führung.
Vertrauen statt Kontrolle, ein Blick für das Wohl der Teammitglieder, eine bewusst gestaltete Einarbeitung, sichtbare Anerkennung und ein gemeinsamer Zweck bleiben die tragenden Elemente.
Remote wird lediglich sichtbarer, wo diese Elemente fehlen. Wer ein Remote Team führen will, darf deshalb den eigenen Weg der Führung finden und herausfinden, was wirklich zu einem passt.
FAQ: Häufige Fragen rund um Rückfragen vom Team
Wie schafft man Vertrauen in einem Remote Team, ohne die Arbeit ständig zu kontrollieren?
Vertrauen entsteht durch Klarheit über Rollen, Ziele und Arbeitsergebnisse, eine konsistente Unternehmenskultur und das Gefühl, dass die eigene Arbeit einen echten Unterschied macht. Kontrolle im klassischen Sinn ist dabei ohnehin ein Trugschluss – auch vor Ort.
Wie sollte die Einarbeitung neuer Teammitglieder remote ablaufen?
Mit bewusst geplanten Eins-zu-eins-Gesprächen mit allen Teammitgliedern, einem Leitfaden für diese Gespräche und einer klaren Deadline, bis wann alle stattgefunden haben sollen. Zusätzlich braucht es eine strukturierte Planung der ersten Stunden, Tage, Wochen und Monate.
Bringen Team-Events wirklich mehr Zusammenhalt in einem Remote Team?
Nur, wenn im Team bereits eine gute Basis besteht. Ist diese Basis nicht vorhanden, lösen Team-Events bestehende Spannungen oder Konflikte nicht auf. Ein stärkerer Hebel ist ein gemeinsamer Zweck, der sich aus echter, gemeinsamer Projektarbeit ergibt.
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