„Ich will eigentlich die coole Chefin sein, aber dann muss ich immer alles ausbaden.“
Diesen Satz hat eine Kundin kürzlich gesagt.

Viele Unternehmerinnen kennen dieses Gefühl: Sie haben ihr eigenes Unternehmen aufgebaut, sind wertebasiert unterwegs und wollen nahbar und locker mit ihrem Team zusammenarbeiten. Sie wollen nicht so führen, wie sie es selbst einmal erlebt haben.

Doch irgendwann stellt sich heraus: Das Team nutzt diese Nettigkeit aus. Entscheidungen versacken, Anweisungen werden nicht ernst genommen, und am Ende bleibt die Arbeit an der Chefin hängen.

Dieser Artikel zeigt, woran sich zu nette Führung erkennen lässt, warum sie das Team schwächt statt stärkt, und wie Klarheit als Ausweg funktioniert.

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TEAM-UP Podcast | Folge #150 | Die “coole Chefin”-Falle: Warum “zu nett” als Chefin dein Team schwächt

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Woran du erkennst, dass du zu nett als Chefin bist

Bevor sich die Frage klären lässt, ob zu viel Nettigkeit tatsächlich ein Problem ist, lohnt sich ein Blick auf konkrete Symptome, statt auf ein diffuses Bauchgefühl.

Ein erstes Anzeichen: Deadlines werden nicht eingehalten. Ein Teammitglied sollte bis Donnerstagnachmittag eine Aufgabe fertigstellen, weil abends etwas freigeschaltet werden soll. Um 17 Uhr stellt sich heraus, dass die Aufgabe noch nicht fertig ist und du übernimmst kurzfristig eine Abend- oder Nachtschicht, damit alles rechtzeitig fertig wird.

Ein zweites Anzeichen zeigt sich in Meetings, die sich im Kreis drehen. Es wird viel geredet, aber es gibt keinen klaren Punkt und kein Ergebnis. Meetings dauern über eine Stunde. Das kostet Energie, ohne dass etwas vorangeht.

Ein drittes Anzeichen betrifft Anweisungen. Statt klar zu sagen, wie etwas gemacht werden soll, fühlst du dich mies, wenn du eine Aufgabe gibst, bei der du eine klare Vorstellung hast wie und bis wann sie gemacht werden soll, und entschuldigst dich fast dafür, überhaupt Vorgaben zu machen. Im Kopf entsteht der Gedanke, das Team könnte dich jetzt „zu dominant“ oder streng finden.

Ein viertes Anzeichen: Du gibst Aufgaben gar nicht erst an das Team weiter, weil du direkt davon ausgehst, das Team würde die Aufgabe blöd finden. Besonders bei unangenehmen oder langweiligen Aufgaben übernimmst du diese lieber selbst. Schließlich ist es ja dein Business, denkst du, also fühlst du dich ohnehin für alles verantwortlich.

Ein fünftes Anzeichen zeigt sich beim Feedback. Du formulierst Feedback bewusst wertschätzend, hast aber das Gefühl, dass sich trotzdem nichts verändert.

All diese Situationen deuten darauf hin, dass du „zu nett“ bist.

Nettigkeit ist grundsätzlich kein Problem. Nett sein ist, meiner Meinung nach, etwas Positives. Das Problem entsteht dann, wenn Nettigkeit über Klarheit gestellt wird.

Warum „zu nett“ dein Team und dein Business schwächt

Der Gedanke „So ist es halt, es ist ja schließlich mein Business.“ klingt nach einer Lösung, ist aber keine.

Er mag im Moment der einfachste Weg erscheinen, weil er den geringsten Widerstand bedeutet. Kurz-, mittel- und langfristig führt er jedoch nicht weiter.

Wer weiterhin so agiert, übernimmt dauerhaft Aufgaben, die eigentlich nicht in den eigenen Verantwortungsbereich gehören. Das kostet Energie und macht die Arbeit stressig und mühsam – vor allem für dich, als Unternehmerin.

Zu viel Nettigkeit bedeutet vor allem eines: zu wenig Klarheit.

Wenn Nettigkeit über Klarheit gestellt wird, fehlt dem Team die Orientierung. Und fehlende Orientierung erzeugt Stress statt Sicherheit und die Konzentration auf sinnvolle Aufgaben leidet.

Umgekehrt wenn ein Teammitglied genau weiß, woran es ist, kann es sich auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren.

„Zu nett“ in der Führung wirkt damit gegen Produktivität: Die Produktivität sinkt, weil Teammitglieder raten müssen, was wichtig ist, statt es zu wissen. Das hat nichts mit fehlender Motivation zu tun, sondern mit fehlender Orientierung.

Diese fehlende Orientierung hat weitreichende Folgen.

Ohne klare Linie können Teammitglieder keine eigenständigen Entscheidungen treffen, weil sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird.

Am Ende ist das Team weniger motiviert und weniger loyal. Es bleibt weniger bereit, sich langfristig für das Unternehmen, seine Werte und seine Ziele einzusetzen. Das führt zu weniger Output. Und weniger Output bedeutet wiederum, dass du als Chefin noch mehr kompensieren musst.

So entsteht eine Abwärtsspirale: Zu viel Nettigkeit führt zu sinkendem Einsatz im Team, was wiederum mehr Kompensation durch die Chefin erfordert.

Woher die Angst kommt, zu streng zu wirken

Bevor sich ein schlechtes Gefühl breitmacht, lohnt sich die Frage: Warum neigen so viele Menschen überhaupt dazu, zu nett zu sein?

Ein Grund liegt in einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis nach Verbindung. Gesellschaft und Gemeinschaft entsteht dadurch, dass Menschen gemeinsam mehr erreichen als allein. Daraus entsteht ein Harmoniebedürfnis: Die meisten Menschen profitieren nicht vom Konflikt, sondern vom Miteinander, und tun sich entsprechend schwer damit, Konflikte aktiv anzugehen. Dieses Bedürfnis liegt tief verwurzelt, und der Weg, bewusst davon abzuweichen, ist eine emotionale Reise.

Ein zweiter Grund liegt in eigenen Erfahrungen mit Führung. Viele Menschen hatten eine*n Chef*in, deren Führungsstil als abschreckend empfunden wurde: laut, autoritär, wenig wertschätzend. Aus diesen Erfahrungen entsteht der feste Vorsatz: „So will ich nicht sein.“ Ist dieser Glaubenssatz stark ausgeprägt, führt er häufig zu einer Überkorrektur in die andere Richtung und aus „nicht wie der alte Chef sein“ wird „zu nett sein“.

Wichtig dabei: Zu nett zu sein ist nicht das Gegenteil von einem autoritären Führungsstil.

Es handelt sich um zwei unterschiedliche Dinge. Nett sein ist keine Lösung und kein Gegensatz zu schlechter Führung. Entscheidend ist stattdessen, die eigenen Glaubenssätze zu erkennen, die zu übermäßiger Nettigkeit führen, und einen eigenen Weg zu finden.

Klarheit statt Nettigkeit: der Ausweg

Was ist also das Gegenteil von zu nett? Die Antwort liegt vor allem in drei Bereichen.

Der erste und wichtigste Punkt ist Klarheit.

Klarheit darüber, was einer Chefin wichtig ist: Werte, Standards, Erwartungen. Diese Klarheit übergeordnet zu definieren, fühlt sich zunächst weit weg vom Tagesgeschäft mit dem Team an. Trotzdem ist sie notwendig, denn sie muss dem Team vermittelt werden:

  • Was sind die Ziele?
  • Was sind die Werte?
  • Was wird gemacht, was nicht?
  • Was werden Erwartungen an Verantwortungsübernahme?
  • Wie ordnet sich das eigene Handeln in das große Ganze des Unternehmens ein?

Wer diese Klarheit hat, muss nicht mehr nett sein, um Orientierung zu geben. Die Klarheit selbst übernimmt diese Aufgabe.

Der zweite Punkt ist Konsistenz.

Das bedeutet, bei der eigenen Haltung zu bleiben, auch wenn es unbequem wird oder kritische Situationen entstehen. Das erfordert eine gewisse Resilienz.

Je klarer jemand weiß, dass die eigene Haltung dem eigenen Weg, den eigenen Werten und der eigenen Vision entspricht, desto leichter fällt es, konsistent zu bleiben – auch wenn eine Situation im Moment unangenehm ist.

Der dritte Punkt ist Rollenklarheit.

Diese betrifft nicht nur die Klarheit darüber, was Teammitglieder zu tun haben, sondern auch die eigene Rolle als Führungskraft.

Die Aufgabe einer Führungskraft besteht nicht darin, gemocht zu werden, sondern darin, Orientierung zu geben.

(Wichtiger Satz, lies ihn noch mal!)

Wie diese Rolle definiert und gelebt wird, hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie das Team arbeitet.

Wer diese Klarheit für sich selbst entwickelt und formuliert, macht die Erfahrung: Nicht nett zu sein tut nicht weh. Klarheit steht dem Harmoniebedürfnis nicht entgegen, im Gegenteil, sie schafft die Grundlage dafür.

Fazit:

Zu nett als Chefin zu sein, ist kein persönliches Versagen.

Es ist ein Zeichen dafür, dass Klarheit fehlt.

Wer Deadlines ständig auffängt, sich für Anweisungen entschuldigt oder unangenehme Aufgaben lieber selbst übernimmt, stellt Nettigkeit über Klarheit und schwächt damit langfristig sowohl das Team als auch das eigene Business.

Der Weg heraus führt über drei Punkte:

  • klare Werte und Standards definieren,
  • konsistent bei der eigenen Haltung bleiben
  • und die eigene Rolle als Führungskraft über Orientierung statt über Sympathie definieren.

FAQ: Häufige Fragen rund Nettigkeit als Führungskraft

Bedeutet mehr Klarheit, dass ich weniger nett sein muss?

Nein. Nettigkeit bleibt etwas Positives. Entscheidend ist, dass Klarheit nicht der Nettigkeit untergeordnet wird, sondern beides nebeneinander bestehen kann.


Wie finde ich heraus, welche Werte und Standards mir wichtig sind?

Ein guter Ausgangspunkt ist die Frage, was im Unternehmen erreicht werden soll, wie zusammengearbeitet werden soll und welche Erwartungen an Verantwortungsübernahme bestehen. Diese Punkte übergeordnet zu definieren, schafft die Grundlage für Klarheit im Alltag.


Was, wenn sich Klarheit für mich unangenehm anfühlt?

Das ist nachvollziehbar, weil Klarheit zu geben eine emotionale Reise sein kann, besonders wenn ein starkes Harmoniebedürfnis besteht. Konsistenz und die klare Definition der eigenen Rolle als Führungskraft helfen dabei, diese Unsicherheit mit der Zeit abzubauen.

Porträt Angelique Dujic Mentorin für Teamaufbau für Gründer*innen & Unternehmer*innen

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