Du hast ein Team, damit es dir das Leben leichter macht. Und trotzdem fühlt sich seit dem Aufbau des Teams vieles komplizierter an als vorher. Das ist eine Erfahrung, die viele Selbstständige machen, die den Schritt vom Solo zum Unternehmen mit Team gehen.
In diesem Artikel schauen wir uns an, in welchen Situationen dieses Gefühl entsteht, woran es liegen kann und was du konkret tun kannst, damit dein Team dir wieder Energie gibt statt Energie zieht.
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TEAM-UP Podcast | Folge #157 | Warum sich ein Team manchmal schwer anfühlt, obwohl es leichter sein sollte
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In welchen Situationen ein Team zu Erschöpfung führt
Es gibt einige typische Situationen, in denen deutlich wird, dass ein Team dir mehr Kraft kostet, als es dir gibt.
Eine der häufigsten Situationen: Der Alltag mit Team fühlt sich anstrengender an als vorher allein. Es ist ein Team da, aber trotzdem hängt gefühlt alles an dir. Eigentlich hast du dich selbstständig gemacht, um mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit zu haben. Mit Teammitgliedern wolltest du zusätzlich entlastet werden. Stattdessen hast du das Gefühl, weniger Freiheit zu haben als vorher.
Eine weitere Situation, die ich häufig beobachte, ist, wenn du das Gefühl hast, ständig sicherstellen zu müssen, dass Qualität und Erwartungen eingehalten werden. Vielleicht kennst du es selbst: Du musst alles kontrollieren, weil es sonst nicht so wird, wie du es dir vorstellst.
Dabei stellen sich viele die Frage: „Habe ich vielleicht zu hohe Erwartungen an mein Teammitglied?“
Viele meiner Kund*innen denken, sie hätten einen höheren Qualitätsanspruch als alle anderen, und trauen sich deshalb nicht, etwas am System zu verändern.
Darüber hinaus kann auch die eigene Erwartung an einem selbst erschöpfen. Wenn du als Unternehmer*in werteorientiert agierst und du eine große Mission verfolgst, dann liegt es dir vielleicht auch am Herzen, ein*e gute*r Chef*in zu sein: Du bietest Remote-Arbeit, Flexibilität, Vertrauen… Und am Ende hast du trotzdem das Gefühl, dass du diejenige bist, die alles zusammenhält, während andere die Flexibilität ausnutzen.
Wenn viele Dinge zusammenkommen, kannst du den Eindruck gewinnen, dass deine Teammitglieder keine Verantwortung übernehmen, und das, obwohl du es ihnen klar sagst. Du kommunizierst deutlich, dass sie für ihr Projekt verantwortlich sind, trotzdem passiert es nicht. Trotzdem musst du die treibende Kraft dahinter sein. Das kann frustrierend sein, weil du dich fragst, was du noch tun kannst oder was falsch läuft.
Warum das ganz normal ist und kein Zeichen von Versagen
Lass mir dir eines sagen: Diese Situationen sind normal!
Sie sind vermutlich Teil des Prozesses, wenn du von Solo zu einem Unternehmen mit Team wechselst. Das bedeutet aber nicht, dass es dabei bleiben muss.
Häufig kommt in diesem Moment der Gedanke auf, alles wieder wie früher allein machen zu wollen, weil es damals unkomplizierter war.
Dabei lohnt es sich, kritisch auf diesen Gedanken zu schauen: Die Vorstellung „früher war alles besser“ ist meistens eine verzerrte Erinnerung, egal in welchem Kontext. Wir sehen oft nur bestimmte Aspekte der Vergangenheit, je nachdem, welche Wünsche wir gerade haben.
Es lohnt sich also nicht, in die Vergangenheit zurückzuwollen, sondern zu verstehen, wann genau sich das Team schwerer anfühlt und woran das liegen kann.
Ursache 1: Du versuchst, in eine Führungsschablone zu passen, die nicht zu dir passt
Eine der häufigsten Ursachen ist, dass du versuchst, Führung so zu machen, wie es „man“ angeblich macht.
Du schaust rechts und links, wie andere es machen, vielleicht hast du einen Business-Coach oder holst dir Ideen aus dem Austausch mit anderen oder im Gespräch mit Claude oder ChatGPT.
Das Problem: Was für andere funktioniert, funktioniert nicht automatisch für dich.
Wenn du versuchst, anders zu kommunizieren oder zu führen, als es dir eigentlich entspricht, zieht das Energie.
Um dein Unternehmen so zu führen, dass es dir Energie gibt, musst du es so führen, wie es zu dir als Mensch mit deinen Werten und deiner Persönlichkeit passt.
(Der Satz ist wichtig, lies ihn noch Mal!)
Es geht nicht darum, dass du zum Chef oder zur Chefin wirst. Es geht darum, du selbst zu sein, in der „Chef-Version“ von dir.
Ursache 2: Dir fehlt Klarheit über deine eigene Rolle
Wenn du ein Team hast, verändert sich deine Rolle.
Du kommst in eine Führungsrolle, und das ist zuerst innere Arbeit. Bevor Kommunikation und Delegation überhaupt funktionieren können, braucht es diese innere Veränderung: die Klarheit darüber, welche Rolle du einnimmst, und die Bereitschaft, sie zu verinnerlichen und zu leben.
Du entwickelst dich von Fachkraft > zu Führungskraft > zur Geschäftsführung.
Dabei ist es meist kein einmaliger Schritt und es funktioniert nicht auf einem Fingerschnipsen, sondern ein progressiver Wandel. Am Anfang hast du vielleicht eine Mitarbeiterin, dann einen zweiten Mitarbeiter, während du in anderen Bereichen noch komplett selbst arbeitest.
In manchen Bereichen bist du also Fachkraft, in anderen Führungskraft. Diese gleichzeitige Vielfalt der Rollen macht es zusätzlich herausfordernd.
Klarheit darüber, welche Rolle du gerade einnimmst, hilft dir, entsprechend zu handeln.
Ursache 3: Blinde Flecken in deinem eigenen Verhalten
Eine weitere Ursache sind Blindspots, also Dinge, die du selbst gar nicht wahrnimmst, obwohl sie relevant sind.
Ein Beispiel: Du hast ein Team, verhältst dich aber weiterhin wie eine Unternehmerin ohne Team. Das sind oft kleine Dinge, die dir nicht bewusst sind, mit denen du aber unbewusst das Verhalten deines Teams steuerst.
Das kann sich unter anderem so äußern: Du sagst deinem Team, dass es Verantwortung übernehmen soll. Aber im Laufe des Projekts bittest du aber darum, dir alles noch einmal zu zeigen, bevor es abgeschickt wird.
Damit sendest du das Signal: „Ich vertraue dir nicht“. Dein Verhalten sagt etwas anderes aus als deine Worte, ohne dass du es unbedingt merkst oder beabsichtigst.
Die entscheidende Frage lautet: Wie verhältst du dich, wenn du wirklich in deiner Führungsrolle bist, und wie unterscheidet sich das von deinem Verhalten als Fachkraft?
Ursache 4: Du hast nicht die passenden Menschen im Team
Der vielleicht naheliegendste, aber nicht der häufigste Grund: Du hast nicht die richtigen Menschen im Team.
Damit ist nicht gemeint, dass es allgemein richtige oder falsche Menschen gibt. Sondern es gibt unterschiedliche Menschen und du brauchst Menschen, die bestimmte Dinge mitbringen.
Du kennst sicherlich den Spruch „Wenn du einem Fisch sagst, er soll auf einen Baum klettern, wird er sein Leben lang denken, er sei dumm“.
Damit sind unbedingt nicht Kompetenzen gemeint (also dass du von einem Designer erwartest, dass er die Buchhaltung macht), sondern viel mehr Persönlichkeitseigenschaften: Vielleicht erwartest du von jemandem, der Detail-verliebt ist, schneller und pragmatischer zu sein, oder von jemandem introvertiertem Netzwerke aufzubauen.
Du brauchst Menschen, die zu dem passen, was du und dein Unternehmen tatsächlich brauchen.
Wenn jemand im Team eher dafür gemacht ist, schnell den Überblick zu behalten, kannst du von dieser Person nur schwer erwarten, dass sie extrem detailorientiert arbeitet und keine Flüchtigkeitsfehler macht.
Es gibt keine allgemein richtigen Menschen für bestimmte Positionen, sondern nur die Frage: „Was macht dich und dein Unternehmen aus, und welche Persönlichkeitseigenschaften und Werte braucht es dafür?“
Und das ist tatsächlich viel relevanter als rein nur Kompetenzen!
Was du sofort tun kannst
Wenn du merkst, dass dein Team dir gerade Schwere statt Leichtigkeit bringt, gibt es Sofortmaßnahmen.
Die erste Sofortmaßnahme wäre mich zu kontaktieren! 😜 (Im Ernst, wenn du dringend Hilfe brauchst, lass uns unverbindlich sprechen: Buche dir ein Kennenlern-Termin)
Zurück zum Thema, was du sofort tun kannst:
Stelle dir zuerst die Frage, was genau dir die Energie zieht. Ist es die Person selbst, die Art der Zusammenarbeit, die Kommunikation oder deine eigene Erwartungshaltung? Diese Konkretisierung ist der erste Schritt.
Wenn dir klar ist, was das Problem ist, kannst und solltest es ansprechen. Gib das Feedback zeitnah und lass es nicht liegen. Feedback nach Wochen oder Monaten kommt anders an als Feedback im Moment. Du kannst es später noch vertiefen oder gemeinsam besprechen, aber die erste Rückmeldung sollte zeitnah erfolgen.
Wenn du starke Emotionen empfindest, etwa Erschöpfung, Wut oder Genervtheit, darf das kurz sacken. Eine Nacht darüber schlafen oder ein Spaziergang können helfen, damit die Emotionen nicht die Kommunikation überlagern.
Mach dir außerdem bewusst: Nur weil du einmal Feedback gibst, heißt das nicht, dass das Thema damit gelöst ist. Wiederkehrende Themen haben meistens ein tiefer liegendes Problem. Jeder Mensch braucht eine unterschiedliche Basis, um das eigene Verhalten anzupassen, und das ist ein Prozess, kein einmaliges Gespräch.
Was du langfristig verändern kannst, damit dein Team dir Energie führt statt Energie zieht
Langfristig gibt es drei Ansatzpunkte.
- Hinterfrage dein Team: Hast du die richtige Teamstruktur, die richtigen Menschen, in der richtigen Anzahl?
- Prüfe und etabliere die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit: Strukturen, Prozesse, Qualitätsstandards. Das kann auch kleine Dinge betreffen, zum Beispiel dass jemand ein Häkchen setzt, wenn eine Aufgabe erledigt ist, damit du Bescheid weißt, ohne extra nachfragen zu müssen.
- (Vermutlich der wichtigste Punkt) Lerne zu Führen, und zwar im Einklang mit dir selbst und deiner Persönlichkeit. Daraus ergibt sich, wie du kommunizierst, wie du sprichst und wie du überhaupt mit anderen zusammenarbeiten möchtest.
Fazit:
Wenn sich dein Team schwerer anfühlt, als du es dir gewünscht hast, bedeutet das nicht, dass die Lösung darin liegt, wieder alles allein zu machen.
Es bedeutet, genauer hinzuschauen: in welchen Situationen sich das Gefühl zeigt, woran es liegen kann und welche Stellschrauben du selbst in der Hand hast, von deiner eigenen Rolle über blinde Flecken im Verhalten bis zur Frage nach den richtigen Menschen im Team.
Das richtige Team gibt dir Energie. Aber das ist kein Zustand, der von allein entsteht, sondern eine Entwicklung, die mehrere Faktoren berücksichtigt.
FAQ: Häufige Fragen rund um Rückfragen vom Team
Warum fühlt sich Führung anstrengender an, als ich erwartet hatte?
Häufig liegt es daran, dass du versuchst, Führung so umzusetzen, wie es andere vormachen, statt eine Art zu finden, die zu deiner eigenen Persönlichkeit passt. Zusätzlich braucht der Wechsel in die Führungsrolle innere Klarheit darüber, welche Rolle du überhaupt einnimmst, und diese Klarheit entsteht nicht automatisch mit der ersten Einstellung.
Muss ich mein Team wieder auflösen, wenn sich alles schwerer anfühlt?
Nein. Das Gefühl, dass ein Team anstrengender ist als das Alleinarbeiten, ist eine normale Situation und Teil des Prozesses. Es lohnt sich, die konkreten Ursachen zu identifizieren, etwa fehlende Rollenklarheit, blinde Flecken im eigenen Verhalten oder die Frage nach den passenden Teammitgliedern, statt die Lösung im Rückzug zu suchen.
Warum übernehmen meine Mitarbeiter*innen keine Verantwortung, obwohl ich es klar kommuniziere?
Ein möglicher Grund liegt in blinden Flecken im eigenen Verhalten. Auch wenn du klar kommunizierst, dass Verantwortung übernommen werden soll, kann dein tatsächliches Verhalten ein anderes Signal senden, zum Beispiel wenn du trotzdem bittest, dir Dinge vor dem Abschicken noch einmal zu zeigen. Das widerspricht der Aussage und kommuniziert Misstrauen.
Wie erkenne ich, ob ich die richtigen Menschen im Team habe?
Es geht nicht darum, ob es allgemein richtige oder falsche Menschen gibt, sondern darum, ob die Persönlichkeitsstruktur einer Person zu der Aufgabe passt, die sie übernehmen soll. Jemand mit Fokus auf den schnellen Überblick wird sich zum Beispiel schwertun, wenn von ihm dauerhaft hohe Detailgenauigkeit erwartet wird.
Was ist der Unterschied zwischen einem guten Chef sein wollen und tatsächlich gut führen?
Der Wunsch, ein guter Chef oder eine gute Chefin zu sein, zeigt sich oft darin, viel Flexibilität und Vertrauen anzubieten. Das allein führt aber nicht automatisch zu guter Führung, wenn am Ende trotzdem die gesamte Verantwortung bei dir hängen bleibt. Gute Führung entsteht eher aus Klarheit über die eigene Rolle und aus einem Verhalten, das tatsächlich zu den eigenen Worten passt.
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